Entschuldigen sie, ist das der Sonderzug nach Münster?

DB: Fällt mein Geburtstag in diesem Jahr aus?

Eigentlich wollte ich am 18.6.2017 meinen Geburtstag in Münster feiern. Es ist aber fraglich, ob das dazu kommen wird, denn die Bahn ist offensichtlich nicht in der Lage mich als Rollstuhlfahrer dorthin zu befördern. Ich muss schon jetzt feststellen, dass dafür nicht nur technische Mängel eine Rolle spielen, sondern aus meiner Sicht auch menschliches Versagen dazukommt.

Heute wollte ich schon um 12:53 Uhr mit dem RE von Gelsenkirchen nach Münster fahren. Dort hätte ich dann umsteigen müssen, weil ich noch weiter wollte. Vorsorglich habe ich am Bahnschalter nachgefragt. Klar, Münster wurde erst umgebaut, und ist normalerweise behindertengerecht. Ich habe gefragt, ob der Zielbahnhof auch behindertengerecht ist. Der Mitarbeiter hat angerufen, und ich konnte anschließend mit der Mitarbeiterin telefonieren. Sie wusste mit welchem Zug ich auf welchem Bahnsteig ankommen, und wollte dann von mir wissen, von welchem Bahnsteig die Fahrt zum Zielbahnhof weitergeht. Die Antwort war klar, in Münster war alles behindertengerecht. Auch am Zielbahnhof sollten sämtliche Bahnsteige behindertengerecht sein, also machte ich mich auf dem Weg zum Bahnsteig in Gelsenkirchen. Ich hatte noch 10 Minuten. Ich fuhr zur 3S-Säule und bestätigte den Rufknopf. Es klingelte eine Weile, dann wurde der Anruf beendet. Das wiederholte sich dann noch zweimal. (Später sollte es einer Bahnmitarbeiterin nicht besser gehen.) Wenn sich bei der 3S- keiner meldet konnte ich natürlich auch nicht beim RE vorangemeldet werden. Ich wartet auf den RE. Bei der Einfahrt stand ich gut sichtbar am Bahnsteigrand. Die Warnblinkanlage war eingeschaltet, und dem Lokführer habe ich durch Handzeichen mitgeteilt dass ich mitfahren will. Bei den Doppelstockwagen ist zwar der Einstige für Rollstuhlfahrer ganz am Ende des Zugs, aber der Lokführer muss einmal „durchziehen“, sonst gibt es eine Fehlermeldung wenn die Rollstuhlrampe betätigt wird.

Der Lokführer muss mich gesehen haben, ich habe mich ja genügend auffällig verhalten, aber die Zugbegleiter wusste natürlich noch nichts von seinem „Glück“, weil die Voranmeldung über die 3S nicht funktioniert hatte. Der Steuerwagen hat zwei blaue Knöpfe in der Nähe des Fahrradabteils. Dort drückte ich drauf, um den Zugbegleiter mitzuteilen, dass ein Rollstuhlfahrer mit will. Das Klingelsignal war auch zu hören, also funktionierte der Knopf.

Im Steuerabteil war eine Person, die auch zum geschlossenen Fenster raus sah. Ich sah ihn, also musste er auch mich gesehen haben. Tatsächlich hatte ich den Eindruck, dass er das Steuerabteil verlassen hat, und durch den Zug nach vorne ging. Die Rampe hat er aber nicht bedient.

Gleichzeitig gab es noch einen Zugbegleiter auf dem Bahnsteig der war ein oder zwei Wagen weiter vorn. Weil auch der keine Anstalten machte mal zur Rampe zu kommen drückte ich erneut den Knopf. Wieder war das Läuten zu hören, aber der Zugbegleiter stieg ein, und der Zug fuhr ohne mich los.

Ich fuhr nun auf den anderen Bahnsteig, weil dort eine Bahnmitarbeiterin mit einer roten Mütze war. Der erzählte ich mein unschönes Erlebnis. Sie rief jemand an, und erklärte, dass ich nach Münster wollte, und mich der RE nicht mitgenommen hatte. Die Person am Telefon hatte auch sofort eine Erklärung dafür. Weil in Münster schon seit Wochen auf dem Bahnsteig von Gleis 14-17 der Aufzug kaputt ist, deswegen hat man mich nicht mitgenommen. Das sind ja gleich zwei spannenden Aussagen gewesen.

Seit Wochen sind in Münster schon die Aufzüge kaputt, und der Defekt soll noch bis zur 27. Wochen andauern, und mit wurde noch 15 Minuten vorher gesagt, dass in Münster alles ok wäre. Wie kann das denn?

Eine weitere Frage ist, woher denn das Zugpersonal gewusst haben will, dass ich bis Münster mitfahren will? Weil ich ja bei der 3S-Zentrale niemand erreicht hatte, konnte ich auch nicht vorangemeldet werden, und deshalb konnten die auch kaum wissen, dass ich bis Münster mit wollte. Die Aussage konnte also nicht stimmen. Doch selbst wenn das der Grund gewesen wäre, dann hätten die Zugbegleiter mir das schon mitteilen müssen, und können nicht einfach so abhauen.

Die Bahn suchte nun fieberhaft eine andere Zugverbindung nach Münster. Man wurde jedoch nicht fündig. Sämtliche Nähverkehrsverbindungen endeten auf dem Bahnsteig von Gleis 14-17, selbst wenn ich einen Umweg über Dortmund gefahren wäre. Und genau hier muss ich vom menschlichen Versagen sprechen. Aus meiner Sicht wäre es durchaus möglich gewesen mich nach Münster zu transportieren. Aus meiner Sicht gibt es dazu sogar 3 Möglichkeiten.

  1. Möglichkeit. Man bringt den Zug auf einem anderen Bahnsteig rein. Auf so einem großen Bahnhof wie Münster müsste das machbar sein, man muss nur wollen. (Für die Rückfahrt würde natürlich das Selbe gelten.
  2. Man befördert mich kostenlos mit dem IC/ICE, der erreicht Münster auf einem anderen Bahnsteig. Dort funktioniert auch der Aufzug. (Für die Rückfahrt würde dann natürlich das Selbe gelten.)
  3. Wenn Möglichkeit 1 und 2 nicht machbar sind, dann muss die Bahn halt in den sauren Apfel beißen, und einen Behindertentransport organisieren und bezahlen. Das wurde auch schon gemacht, als ich wegen eines Fehlers in Haltern stand, weil der Zug gar nicht bis Münster fuhr. (Auch hier würde für die Rückfahrt das Selbe gelten.)

Heute fand für mich also keine Fahrt nach Münster statt, aber am Sonntag wollte ich doch zu meiner eigene Geburtstagsfeier nach Münster fahren. Sollte meine Geburtstagsfeier etwa ohne mich stattfinden?

Ich entschloss mich die Fahrt bei der Bahninfo schon jetzt für Sonntag anzumelden. Wenn ich das schon jetzt mache, dann haben die ja genug Zeit eine der genannten Ersatzmöglichkeiten zu organisieren, aber da habe ich die Rechnung ohne die Bahn gemacht. Die Info im Bahnhof war noch kooperativ, aber die Mobilitätszentrale der Bahn verweigerte die Annahme der Fahrt, weil in Münster der Aufzug auf dem Bahnsteig kaputt ist. Hier haben wir also erneutes menschliches Versagen der Bahnmitarbeiter. Aus meiner Sicht wäre man verpflichtet gewesen mir die Fahrt zu ermöglichen, und dabei einer der drei genannten Möglichkeiten, oder eine andere Möglichkeit, zu nutzen. Ich werde deshalb die Fahrt noch mal über das Internet anmelden, diesen Beitrag beifügen, und überlege auch, ob ich morgen noch vorsorglich den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung stellen soll. Die Bahn hat eine Beförderungsverpflichtung. und ich denke, das gilt auch für Rollstuhlfahrer. Besonders wenn so ein Aufzug nicht erst kurzfristig, sondern längerfristig kaputt ist, dürfte die Bahn verpflichtet sein eine alternative Reise zu ermöglichen.

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6 Antworten zu Entschuldigen sie, ist das der Sonderzug nach Münster?

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  2. Korte Werner schreibt:

    Lieber Berd, kannst Du Dich noch erinnern, wie ich vor ca. 2 Jahren erst erklären und helfen mußte, wie man die Auffahrhilfe bedient. Der Bahnmitarbeiter staunte nicht schlecht und entschuldigte sich etwa mit den Worten: „Das hat man uns nicht gezeigt und geübt!“ Und wunderte sich darüber, daß ich als Laie (Nicht-Bahnmitarbeiter) auf Anhieb in der Lage war, das Problem in wenigen Minuten zu lösen. Der Bahnmitarbeiter bedankte sich dann sehr höflich. Er hatte etwas dazu gelernt.

  3. beamtendumm schreibt:

    Das nächste No-Go?

    Das Positive zuerst. Jetzt geht es plötzlich doch. Leider war es das schon an positiven Nachrichten. Meine beiden Vorschläge, nämlich Umleitung des Zugs auf einen anderen Bahnsteig, oder kostenlose Beförderung mit dem IC/ICE wurden nicht umgesetzt. Man hat eine andere Lösung parat.

    Sehr geehrte(r) Herr Schreiber,

    wir haben Ihren gewünschten Service für den 18.06.2017 11:29:00 angemeldet.

    Informationen dazu finden Sie in der angehängten Datei. Zum Öffnen benötigen Sie den Acrobat Reader, den Sie einfach und kostenlos mit einem Klick auf folgenden Link aktivieren können: http://adobe.com/de/downloads.
    Bitte setzen Sie uns in Kenntnis, wenn Sie Ihre Reise verschieben oder nicht antreten. Sollte ein gewünschter Service nicht realisierbar sein, werden wir Sie zeitnah informieren.

    Meine ursprüngliche Planung war um 12:53 Uhr von Gelsenkirchen nach Münster zu fahren, ohne umsteigen zu müssen.
    Um 19:xx Uhr wollte ich wieder in Gelsenkirchen sein. Der Ersatzweg bedeutet nun, dass ich bereits um 11:29 Uhr losfahren soll, also 1,5 Stunden früher. Um 20:28 Uhr wäre ich dann wieder da. Aus 2 Stunden Fahrt sollen jetzt 4,5 Stunden werden. Das ist für mich ein No-Go. Ich werde mich wohl nach einer anderen Lösung umsehen müssen. Vermutlich werde ich eine Station vor Münster aussteigen, und wir werden dort was machen.

  4. Pingback: Danke ANTENNE MÜNSTER | Bahn und Bus

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