Abenteuerreise nach Köln-Deutz

Hallo Herr Schreiber. Wir kennen uns aus B… ich möchte Ihnen heute meine Fahrt als Rollstuhlfahrer nach Köln-Deutz und zurück schildern, die man eigentlich auch als Abenteuerreise vermarkten könnte.

Ich sollte also gegen 9 Uhr in Köln-Deutz sein. Um kurz nach 7:00 Uhr war ich also am Abreisebahnhof. Schnell noch eine Fahrplanauskunft am Automaten gezogen und dann hätte die Reise eigentlich beginnen können.

Die Fahrplanauskunft sah vor, dass sich bis nach Essen fuhr und dort in einen anderen Zug umstieg. Von ihrem Blog ist mir aber bekannt, dass es am Hauptbahnhof Essen für Rollstuhlfahrer problematisch werden kann. Und tatsächlich, der vorgeschlagene Zug endete im Bahnsteig 22, dort gibt es aber überhaupt keinen Fahrstuhl. Meine Fahrt nach Köln-Deutz hätte hier ein frühes Ende gefunden.

Ich entschied mich daher eine andere Verbindung zu nehmen. Mit dem nächsten Zug fuhr ich zum Hauptbahnhof Düsseldorf. In ihrem Blog berichteten sie, dass es auch dort zu Schwierigkeiten kommen kann, wenn man mit dem Zug auf dem Bahnsteig 9/10 ankommt. Auf diesem Bahnsteig ist der Aufzug nicht längst sondern quer eingebaut. Große Elektrorollstühle/Elektromobile kämen somit nicht in den Aufzug. Der von mir benutzte Zug endete natürlich genau auf Bahnsteig 9/10. Aber da ich nur einen ganz normalen Elektrorollstuhl benutze, erwarte ich also keine Probleme. Auch das Ein-/Aussteigen war problemlos möglich, da es sich um einen Zug der Eurobahn handelte. Während man bei der DB zum Ein-/Aussteigen eine Rampe und somit Hilfe benötigt und daher nur ganz vorne oder ganz hinten einsteigen kann, kann man bei der Eurobahn ohne fremde Hilfe und in jedem Waggon einsteigen.

Dann die Überraschung in Düsseldorf. Obwohl ich nur einen kleinen Elektrorollstuhl besitze konnte ich den Fahrstuhl dennoch nicht benutzen, denn dieser war kaputt. Nach dem ja meine Reise schon am Hauptbahnhof in Essen zu enden drohte, war also nun in Düsseldorf tatsächlich Schluss. O.k., ich hätte jetzt mit dem Zug zum Bahnhof Düsseldorf-Flughafen fahren können, und dort mit einem anderen Zug wieder nach Düsseldorf fahren können um auf einem anderen Bahnsteig anzukommen. Wenn dann dort der Aufzug funktioniert hätte, hätte ich meine Reise nach Köln-Deutz fortsetzen können. Da aber die Eurobahn in Düsseldorf endete, eine halbe Stunde Pause hat Und dann wieder zurückfuhr, ich am Bahnhof Düsseldorf-Flughafen wieder 15 bis 30 Minuten hätte warten müssen, wäre ich mit mindestens einer Stunde Verspätung in Köln-Deutz angekommen. Ich entschied mich daher meine geplante Reise abzubrechen und wieder zurück zu fahren.

Da man bei der Eurobahn jeden Waggon als Rollstuhlfahrer benutzen kann, stieg ich in der Nähe des Aufzugs ein. Dadurch bemerkte ich kurz vor der Abreise des Zugs, dass man den Aufzug repariert hatte. Sofort stetig wieder aus und fuhr mit dem Aufzug runter. Leider war mein Zug nach Köln-Deutz bereits weg. Ich suchte mir die nächste Verbindung raus und fuhr auf den entsprechenden Bahnsteig. Dort war angeschlagen, dass der Zug ca. 15 Minuten Verspätung hätte. Später wurden daraus 25 Minuten. Am Ende waren es tatsächlich 43 Minuten.

Ich fuhr zu einer Infosäule an der es drei Rufkasten gab.
1. Notruf
2. Info
3. Behinderten Taste
ich betätigte also den blauen behinderten Knopf. Nach einer Zeit meldete sich eine weibliche Stimme. „Sie haben den Notruf betätigt ist was passiert“, sagte die Frau.
„Nein, ich habe die Behindertentaste gedrückt“, antwortete ich.
„Ach so, aus Versehen“, meinte die Frau.
„Nein, weil ich behindert bin“, war meine Antwort.

Ich teilte der Frau also mit, dass sich mit dem Zug nach Köln-Deutz fahren wolle, dieser aber Verspätung haben würde, und sie schon mal Bescheid sagen sollen, dass hier ein Rollstuhlfahrer wartet, damit es nicht noch zu weiteren Verspätung kommt. Das wollte die Frau auch machen.

Aufgrund der Verspätung war einige Hektik auf dem Bahnsteig. Es Kamservicepersonal der DB und ein Lokführer, der ebenfalls auf diesen Zug wartete. Da auf diesem Bahnsteig auch der Intercity hielt, wurden einige Fahrgäste nach Köln bzw. Köln-Deutz vom Intercity mitgenommen. Für mich als Rollstuhlfahrer galt das nicht, da der Einstieg in den Intercity nur mit einer Rampe möglich ist, die jedoch nicht im Zug eingebaut ist, sondern auf dem Bahnsteig steht.

Der auf dem Bahnsteig befindliche Lokführer lief seinen Kollegen an und erfuhr, dass man ihm angeblich noch nicht mitgeteilt hatte, dass in Düsseldorf ein Rollstuhlfahrer wartet. Da frage ich mich natürlich weshalb ich vorher die Infosäule genutzt hatte.

Nach einiger Zeit kamen zwei weitere Servicekräfte die mich „den nächsten Zug setzen“ sollten. Also gegebenenfalls auch ein Intercity. Der nächste Zug war dann jedoch die 43 Minuten verspätete Regionalbahn. Der wartende Lokführer fuhr dann die Rampe raus. Der erste Versuch scheiterte, weshalb er die Rampe in einer anderen Variante ausfuhr. Die Rampen können nämlich auf zwei Arten ausgefahren werden. Offensichtlich war die zweite Möglichkeit aber nicht die optimale für diesen Bahnsteig. Das Einsteigen gestaltete sich problematisch. Mit Schwung musste ich über den Gipfel der Rampe. Der Lokführer versuchte noch meinen Rollstuhl irgendwie festzuhalten. Mir ist dies gar nicht recht, da hier eine Verletzungsgefahr für die Hilfspersonen besteht. Etwas unruhig ging es also in den Zug. Ich weiß auch nicht wie und was da passierte, aber das Steuerpult des Rollstuhls war danach stark nach oben gebogen. Erst später bemerkte ich, dass auch die rechte Fußstütze gebrochen war.

Ich war einige Zeit in dem Zug nach Köln-Deutz, als eine Zugbegleiterin kam und fragte: „wo wollen Sie hin? Nach Köln-Deutz?“ Ich bejahte dies. „Und wie kommen Sie da weg“, fragte die Zugbegleiterin. Bei dieser Frage überkam mich eine Unruhe. Ich antwortete: „natürlich mit dem Aufzug“. Ich gehe natürlich davon aus, dass es auf einem so großen Bahnhof wie Köln-Deutz Aufzüge gibt. Die Zugbegleiterin informierte mich dann jedoch darüber, dass es dort keine Aufzüge geben würde. Darüber war ich schon erstaunt. Erstaunt war ich auch das die Frau, die ich zuvor an der Infosäule kontaktiert hatte, mir dies nicht mitgeteilt hatte. Die Zugbegleiterin teilte mir nun mit ich müsse bis Köln Hauptbahnhof fahren und dann zu sehen, wie ich mit dem Elektrorollstuhl mein Ziel erreiche.

Natürlich war ich schon jetzt viel zu spät für meinen 9 Uhr-Termin. Auf der Brücke zwischen Köln-Deutz und Köln Hauptbahnhof kam der Lokführer, der mit mir bereits in Düsseldorf wartete. Er teilte mir mit, dass es in Köln-Deutz tatsächlich einen Bahnsteig mit Aufzug gäbe. Man wollte den Regionalexpress auf diesen Bahnsteig umleiten, damit ich den dortigen Aufzug nutzen konnte. Leider war dies aber nicht möglich, da an diesem Bahnsteig nur S-Bahnen halten können. Vermutlich war der Bahnsteig für den Regionalexpress zu kurz. Der Lokführer teilte mir mit, dass ich in Köln Hauptbahnhof von Servicekräften erwartet würde, die mich zu der S-Bahn begleiten würden und dafür sorgen würden, dass ich doch noch in Köln-Deutz ankomme.

Der Ausstieg aus dem Regionalexpress war dann deutlich unproblematischer als das Einsteigen. Allerdings war der Lokführer sauer, weil die angeforderten und versprochenen Servicekräfte nicht da waren. Ich fuhr deshalb zu einem Bahn-Bediensteten, der gerade auf dem Bahnsteig war. Dieser fragte dann bezüglich der Servicekräfte nach. Ihm wurde mitgeteilt, dass eigentlich jemand für mich da sein sollte. Da dies nicht so war wartete ich und tatsächlich kam einige Minuten später ein schwergewichtiger Mitarbeiter der Bahn.

Zusammen mit ihm wechselte ich also den Bahnsteig. Ich hatte auch Glück. Als wir auf dem Bahnsteig ankamen fuhr auch gerade die S-Bahn nach Köln-Deutz ein. Dummerweise hatte es mein Begleiter nicht so eilig. Erst redete er noch mit einer anderen Frau, dann schloss er umständlich einen Raum auf, wo sich die Rampe befand. Dort telefonierte er zunächst, dann fuhr die S-Bahn ohne mich ab. Erst danach holte der Mitarbeiter die Rampe. Inzwischen fuhr ein weiterer Zug nach Köln-Deutz ein. Mein Begleiter teilte mir mit, dass ich diesen Zug mit dem Rollstuhl aber nicht benutzen könnte. Somit durfte ich auf die nächste S-Bahn warten. Über die Rampe kam ich problemlos in die S-Bahn. Ich fragte den Mann, wie ich denn in Köln-Deutz wieder rauskäme. Er teilte mir mit, dass er mitfahren würde, um mich in Köln-Deutz wieder aus der S-Bahn zu lassen. Er meinte noch, dass er dies eigentlich nicht dürfte, aber anders käme ich ja nicht aus dem Zug. In Köln-Deutz habe ich dann den Bahnsteig mit dem Aufzug verlassen. Mit zwei Stunden Verspätung kam ich am Zielort an.

Jetzt war mir klar, dass auch die Rückreise einige Probleme bereiten dürfte. Ich kann natürlich nicht von Köln-Deutz einfach den nächsten Zug besteigen und Richtung Heimat fahren. Sondern ich würde wieder erst von Köln-Deutz nach Köln Hauptbahnhof fahren müssen, weil es in Köln-Deutz nur einen einzigen Bahnsteig mit einem Aufzug gibt.

Zu Beginn meiner Rückreise befanden sich Rettungskräfte und mehrere Polizisten auf dem Bahnsteig. Irgendwelche verblödete Jugendliche hatten eine Person gegen die S-Bahn geschubst. Es war zwar nicht viel passiert, aber es hätte sehr viel passieren können und entsprechend geschockt war die betroffene Person.

Als ich auf dem Bahnsteig war fuhr gerade eine S-Bahn Richtung Essen-Hauptbahnhof. Ich winkte dem Lokführer um ihm zu zeigen, dass ich mit will. Das hat den Lokführer aber reichlich wenig interessiert. Ohne mich fuhr die S-Bahn ab. Jetzt stand ich mit meinem Elektrorollstuhl vorne bei der Lok. Ich dachte mir dass der Einstieg für Rollstuhlfahrer eventuell am anderen Ende des Zuges war. Also fuhr ich dorthin. Tatsächlich war die nächste S-Bahn wieder eine die nach Essen fuhr. Jedoch hielt die auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig und fuhr von Köln-Deutz über Köln Hauptbahnhof nach Essen. Und jetzt war die Lok nicht dort wo sie bei der vorherigen Bahn war, sondern dort wo ich jetzt stand. Damit stand ich also eventuell schon wieder verkehrt. Aber sicher bin ich mir nicht, dass ich am anderen Ende in den Zug gekommen wäre.

Ich erinnerte mich an die Infosäule in Düsseldorf und suchte dies nun auch in Köln Deutz. Leider vergeblich. Daher steuerte ich zwei Polizeibeamte an. Der Beamte hatte einen Schäferhund mit Maulkorb. Ich entschied mich daher lieber die Beamtin anzusprechen.

„Entschuldigen Sie, wissen Sie ob es hier irgendwo einen Notrufsäule gibt“, fragte ich. Dabei hatte ich den Hintergedanken das die Beamten mich fragen würden, was für ein Problem ich den hätte. Die Unfreundlichkeit einer deutschen Polizeibeamtin hatte ich dabei jedoch nicht mit eingerechnet. Statt einer vernünftigen Antwort bekam ich zu hören: „das heißt erst mal – guten Tag-„.

Video (größer) in neuem Fenster ansehen.  

Obwohl der Tag bisher ziemlich beschissen war, behielt ich die Ruhe. Ich weiß ja nicht, was sie an meiner Stelle gemacht oder gesagt hätten. Doch als Rollstuhlfahrer erlernt man mit der Zeit eine merkwürdige Gelassenheit. Ich antwortete der netten Beamtin, mit dem quersitzenden Furz: „Ja, und wissen Sie jetzt ob es hier eine Notrufsäule gibt?“ Sie wusste es natürlich nicht. Somit fuhr ich erneut über den kompletten Bahnsteig um eine Infosäule/Notrufsäule zu finden. Da ich nicht fündig wurde fuhr ich wieder zur Mitte des Bahnsteigs. (Ab hier gibt es ein Video, das ich ihnen in den nächsten Tagen zur Veröffentlichung sende.)

Zufällig kam mir dabei die „äußerst nette“ Beamtin entgegen. Offensichtlich drückte sie ihr Furz noch immer, zumindest sah sie mich so an, als sie an mir vorbeiging. Ja das Leben für eine Beamtin ist schon schwer. Da bekommen in diesem Land Menschen die nicht laufen können einen Elektrorollstuhl, während so eine arme Staatsbeamtin zu Fuß den Bahnsteig bewältigen muss. Muss man nicht Mitleid mit solchen Beamten haben?

Der Beamte mit Schäferhund befand sich noch immer auf dem Bahnsteig, in seiner Nähe wartete ich auf den nächsten Zug. Da sprach mich der Beamte an: „Haben sie einen Kugelschreiber“, wollte er von mir wissen.

„Das heißt erst mal-Guten Tag-„, lag mir auf der Zunge. Aber ich habe diesen Satz nicht gesagt, sondern es noch viel geschickter angestellt.

„Ich könnte jetzt ja, wie ihre unfreundliche Kolleginnen, sagen: das heißt erst mal Guten Tag. Aber zufällig habe ich tatsächlich einen Kugelschreiber“, sagte ich dem Beamten. Der Beamte konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Offensichtlich fand er die Reaktion seiner Kollegin auch nicht wirklich toll. Ich gab ihm den Kugelschreiber damit ein Zeuge seine persönlichen Angaben aufschreiben konnte. Ihre unfreundliche Polizistin musste ich nicht mehr sehen, wenn der Beamte und eine andere hilfsbereite Person halfen mir dann in die nächste S-Bahn. Ich wusste zwar in Düsseldorf wieder umsteigen, aber dieses Mal klappte alles. Dennoch empfand ich diese Reise als absolutes Horrorerlebnis. Man sollte überlegen so eine Reise als „Abenteuerurlaub“ zu vermarkten.

Ich hoffe diese Geschichte ist etwas für Ihre Internetseite.

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4 Antworten zu Abenteuerreise nach Köln-Deutz

  1. Pingback: Kölner Polizistin ist “nett” zu Rollstuhlfahrer! | Beamtendumm

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  3. Bernd Vogt schreibt:

    Der Verfasser der „Köln-Deutz-Story“ schreibt mehrmals von einer „Polizei – BEAMTIN“. Sicher war es wieder mal nur eine BRD – Polizei – BEDIENSTETE, oder sonstige kostümierte Hilfstruppen der DB-Service Sicherheit-Truppen!?

    Wie auch immer. Der nachstehenden Link führt zu einem interessanten YouTube-Beitrag der vor Augen führt, wie wir durch die BRD-Verwaltungsorgane getäuscht und in die Irre geführt werden. Besonders perfide werden die Tricks dann, wenn es darum geht, weitere schmutzige Möglichkeiten zu erdenken, wie sie uns Menschen entmündigen, abzocken, abkassieren, entrechten und knechten könnten.

    Knappe 15 Minuten, die sich wirklich lohnen! Die den „Groschen“ fallen und ein Licht aufgehen lassen! Wem danach nicht endlich der Kragen platzt, dem ist dann wirklich nicht mehr zu helfen!

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