Mit der Strassenbahn vom Musiktheater zum Heinrich-König-Platz!

Wie an anderer Stelle, zum Beispiel bei der Montagsdemo, bereits berichtet ging mein rotes Cabrio (Elektroscooter) auf der Fahrt zur Krankenkasse kaputt.

Daher war ich mit einem normalen Elektrorollstuhl unterwegs. Während es mit dem Elektroscooter die bereits geschilderten Probleme bei der Mitnahme durch die BOGESTRA gibt, sollte es die bei einem normalen Elektrorollstuhl nicht geben.

Also mit dem 383 von der Küppersbuschstr. zum Musiktheater. Zum Einsteigen muss der Fahrer eine Rampe herausklappen. Bei KOM 3xx häufig etwas kompliziert. Das Problem ist dort der Haken, der in der Klappe verbaut ist. Irgendwann hat der Fahrer den Haken erwischt und klappt die Rampe um. Nächstes Problem, die Rampe kommt nicht ganz auf den Boden. Merkwürdig, das habe ich überhaupt noch nicht gehabt. Ich habe eine Ahnung, aber der Fahrer hat natürlich keine Lust die Rampe wieder einzuholen und nochmal umzuklappen. Also mit Schwung auf die Rampe und rein.

Als der Fahrer die Rampe wieder einklappt, erkennt er das Problem. Die Klappe erreichte den Boden nicht, da der Haken falsch lag und die Klappe daher auf dem Haken aufsetzte. Am Musiktheater war der Ausstieg dann problemlos.

Ich wollte zur Klosterstr. Normalerweise würde ich die Strecke mit dem Elektrorollstuhl zurücklegen. Aber ich hatte Zeit und wollte daher mal probieren, wie es eigentlich mit der Straßenbahn klappt. Ein Fehler, ein großer Fehler.

Am Musiktheater gibt es zwei Möglichkeiten. Ich kann es unterirdisch versuchen (301) oder überirdisch (107, 302). Unterirdisch wollte ich es nicht versuchen, da hätte ich zu weit zum Fahrstuhl fahren müssen. Oberirdisch erschien wesentlich einfacher. Die 107 schied als Möglichkeit gleich aus. Die alten Bahnen sind für Rollstuhlfahrer völlig untauglich. Wie soll man mit einem Rollstuhl oder Elektrorollstuhl 3 Stufen erklimmen? Hat sich was mit allgemeinen Beförderungsverpflichtung. Hat sich was mit Grundgesetz, und niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. hat sich was mit Antidiskriminierungsgesetz. was ist das denn, wenn Behinderten auf diese Weise die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs versagt wird?

Aber auf dieser Strecke kann ich ja noch die 302 benutzen. Die fährt sowieso häufiger. Die 302 kommt, ich stehe an der letzten Tür und stelle fest, da komm ich nicht rein. Ich will mein Vorhaben gerade abbrechen, da sehe ich, dass der Eingang eine Tür weiter etwas niedriger ist. Das sollte doch klappen. Dumm nur, da ist gerade ein Mann mit einem Anhänger eingestiegen. In dem Anhänger befindet sich ein blinder Hund.

Pass ich da auch noch rein? Ja, das klappt. Nach der Haltestelle „Musiktheater“ geht es abwärts. Die nächste Haltestelle „Heinrich-König-Platz“ ist unterirdisch.  Während der Einstieg in Fahrtrichtung rechts war, ist der Ausstieg in Fahrtrichtung links. Nicht schlecht also. Man kann mit dem Rollstuhl vorwärts rein und auch vorwärts wieder raus, wenn da nicht der Mann mit dem blinden Hund wäre. Denn der ist mit seinem Anhänger im Weg.

Ich: „Lassen sie mich mal raus“.

Antwort: „Ähm, ähm, ähm“.

Scheiße. Ich: „Ich möchte aussteigen“.

Antwort: „Ähm, ähm, ähm“.

Das gibt es doch nicht.

Fahrgast: „Der Herr möchte aussteigen“.

Antwort: „Ahhhh, aussteigen“.

Er macht den Weg frei. Die Leute die inzwischen bereits eingestiegen waren, gingen wieder raus, damit ich endlich raus konnte. Ich fahr raus, bin mit den Vorderrädern draussen, da geht die Tür zu. Die Tür knallt gegen den Rollstuhl, dadurch geht der Rollstuhl aus. Toll.

Hat die Tür keine Lichtschranke, wieso kann die zugehen wollen, wenn ich gerade rausfahre? Und wieso geht die nicht gleich wieder auf, wenn die auf ein Hindernis stößt? Ich hänge nun zwischen den beiden Türen und der Rollstuhl geht nicht wieder an. Ich könnt kotzen.

Fahrgäste schieben gewaltsam die Tür zurück und veruschen mich raus zu schieben. Geht natürlich bei einem Elektrorollstuhl nicht. Ich entkupple den Motor, jetzt klappt es. Ich stehe jetzt mit einem Elektrorollstuhl auf dem Bahnsteig, ohne Elektroantrieb. Aber das ist schnell geklärt. Etwas hin und her gewackelt und der Elektrorollstuhl lässt sich wieder einschalten. Aber jetzt sind meine Probleme nicht gelöst, jetzt fangen die erst richtig an.

Scheiß Tag, hätte ich doch auf das Straßenbahn-Experiment verzichtet. Ich fahr also zum Aufzug. Dort ein Aushang: „Wir reparieren für Sie. Der Aufzug ist defekt. Fahrgäste die auf die Benutzung des Aufzugs angewiesen sind, fahren bis zum Hauptbahnhof Gelsenkirchen und dann mit der Bahn zurück. Dann können sie den anderen Aufzug nutzen“.

Als nächstes kam die 301, die Variobahn. Der Höhenunterschied vom Bahnsteig zur Bahn zu hoch, aber die hat auch eine ausklappbare Rampe. Der Fahrer hat gesehen, dass ich dort stand, machte aber keine Anstalten seine Kabine zu verlassen, um die Rampe zu bedienen. Macht nichts, die 107 und 302 sollen auch gleich kommen. Die Bahnsteige bestehen aus einem unteren und einem oberen Teil. Ich fahr zum oberen Teil, vielleicht komm ich ja da in die 107. Doch die 107 hält dort nicht, fährt durch zum tieferen Teil. Da ist aber an einen Mitfahrt mit Rollstuhl nicht zu denken.

Macht auch nichts, die 302 soll nur 1 Minute später kommen. Die 107 fährt, die Anzeige wechselt, jetzt soll die 302 nicht mehr in einer Minute kommen, sondern in acht. Dafür fährt die 302 plötzlich am anderen Gleis ein, da wo vorher die 301 gehalten hatte. Das ist aber ein anderes Modell. Mit so einer war ich nicht gekommen, da ist der Abstand vom Bahnsteig zur Bahn etwas zu hoch. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass die Bahn auf einem anderen Gleis einfuhr als vorher. Ich entscheide jetzt wieder auf die nächste 301 zu warten. Die 302 ist weg, da fällt mir ein, dass auf der 301 nicht nur die Variobahn eingesetzt wird. Wenn also eine andere Bahn kommt, dann habe ich wahrscheinlich wieder Pech. Die 301 kommt, ich habe Glück, ne Variobahn. Der Fahrer macht so viele Anstalten mir zu helfen, wie sein Vorgänger, nämlich keine. Wütend fahr ich zur Kabine vor und klopf an die Scheibe. Jetzt steht er auf. Inzwischen hat ein Sicherheitsmann mitbekommen, dass ich mit will. Mit einem Schweizer Messer hat er die Rampe ausgeklappt, ich fahr rein. In der Bahn spricht mich jemand an. Wie klappt das eigentlich so mit dem Rollstuhl und der BOGESTRA? Es war ein „Nachbarschaftsstifter“. Nachbarschaftsstifter/Seniorenvertreter sind ein Projekt der Stadt Gelsenkirchen und werden vom Bundesfamilienministerium unterstützt.

Ich erklärte dem Mann, dass er mit seiner Frage genau, aber ganz genau, an den Richtigen gekommen ist. Erstmal erzählte ich ihm meine Erlebnisse nur vom heutigen Tag. Etwas davon hatte er selbst mitbekommen. Er drückte mir eine Karte in die Hand und meinte, er wollte, dass ich dort mal anrufe und einen Vortrag über meine Erlebnisse halte. Gerne, aber erst muss dieser Beitrag fertig werden.

Das nächste Problem (Problemchen) erlebte er dann am Hauptbahnhof. Der Ausstieg war wieder auf der anderen Seite. Also vorwärts in die Bahn und vorwärts wieder raus. Theoretisch. Dummerweise hat die so behindertenfreundliche Bahn auf der anderen Seite eine Tür, aber keine Rampe. Schön blöd. Mann muss also mit dem Rollstuhl durch die Bahn fahren und an der nächsten Tür gab es dann eine Rampe auf der anderen Seite.

Ganz ehrlich, am Hauptbahnhof ist das in der 301 kein Problem. Dort ist Endstelle, da steigen also alle aus. Möchte das aber mal sehen, wie das gehen soll, wenn die Bahn voll ist. Mit dem Rollstuhl durch die vollbesetzte Bahn, bestimmt ein tolles Erlebnis.

Eigentlich hätte ich jetzt mit einer der nächsten Bahnen zurück zum „Heinrich-König-Platz“, und dann mit den anderen Aufzug zur Oberfläche fahren sollen. Aber das Abenteuer schenkte ich mir. Für heute hatte ich schon genug Abenteuer. Es  reicht. Ich fuhr mit dem Elektrorollstuhl zur Klosterstr.

externer Link:

Nachbarschaftsstifter

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