Gelsenkirchen-Düsseldorf und zurück!

Heute hatte ich einen Termin in Düsseldorf. Also eine Verbindung rausgesucht, eine ohne Umsteigen, denn dazu bräuchte ich immer fremde Hilfe, zumindest wenn ich mit der Bahn (DB) fahre. Egal ob S-Bahn oder Regionalbahn, immer wird für Rollstuhlfahrer eine Rampe benötigt.

Es gibt eine Verbindung da bin ich kurz vor 11 in Düsseldorf, aber schaffe ich es dann noch rechtzeitig zum Termin? Ich entscheide mich lieber eine Stunde vorher zu fahren.

Mit der BOGESTRA zum Hauptbahnhof Gelsenkirchen?

Sicherlich nicht, man will sich doch nicht sofort den Tag versauen. Also mit dem Rollstuhl bis zum Bahnhof.

Am Bahnhof fährt mir der Aufzug vor der Nase weg. Macht nichts, der kommt wieder. Aufzug kommt, ich fahre rein und drei weitere Personen passen gerade auch noch rein. Der Aufzug fährt los und dann ein Knall, der Aufzug bleibt einfach stehen.

Scheiße, hätte ich doch den Aufzug vorher gekriegt. Es dauert aber nur ca. 30 Sekunden, da fährt der Aufzug weiter. Heute muss mein Glückstag sein!

Der Zug kommt, es kommt auch gleich der Schaffner. Er lässt die Rampe elektrisch raus und mich rein. Leider klappt das Reinfahren nicht sofort. „Störung, Störung …“, ist ständig zu hören. Also nochmal raus und wieder rein, jetzt klappt es. Nur 2 Minuten Verspätung. Sag ich doch, heute muss mein Glückstag sein!

Und dann mit der DB nach Düsseldorf. In Düsseldorf endet der Zug und fährt später wieder zurück nach Münster.

Das Aussteigen in Düsseldorf klappt dann problemlos. Sag ich doch, heute ist mein Glückstag!

Natürlich hat in Düsseldorf jeder Bahnsteig einen Aufzug. Ist doch klar, schließlich findet hier jedes Jahr die Rehacare statt. Also zum Aufzug und der funktioniert sogar. Dumm nur, mein Rollstuhl passt nicht rein.

Da endet mein Glück in Düsseldorf, wahrscheinlich ist es mit einem anderen Zug weitergefahren. Ohne mich versteht sich.

Der Lokführer hat in Düsseldorf Feierabend. Er sieht mich an dem zu kleinen Aufzug. Also informiert er über sein Handy die Servicezentrale, damit die jemand vorbeischicken. Es dauert etwas aber dann kommt einer.

Ja, dumm gelaufen, angeblich ist das der einzigste Bahnsteig in Düsseldorf wo der Aufzug „verkehrt“ eingebaut wurde. Der Aufzug ist breiter als lang. Normalerweise ist das anders. Wir versuchen quer reinzufahren, klappt nicht. Dann fährt er den Rollstuhl ohne mich rein und versucht den rumzuheben, aber der Aufzug bleibt zu klein. Klappt auch nicht. Am Ende des Bahnsteigs gibt es noch Frachtaufzüge, aber die sind schon lange außer Betrieb. Also geht nichts.

Ein Tipp hat er noch für mich. Den nächsten Zug nehmen, bis zum Flughafen fahren, dort in die S-Bahn umsteigen und dann zurück auf einen anderen Bahnsteig. Dumm nur, wäre er etwas eher gekommen, hätte ich mit dem Zug zurückfahren können, der gerade den Bahnsteig verlassen hatte. Jetzt heißt es wieder 30 Minuten warten. Dann hin und her, mein Termin um 11 Uhr dürfte ich nicht mehr pünktlich schaffen.

Kurz danach kommt der nächste Zug. Der endet hier und fährt anschließend zurück. Dazwischen 30 Minuten Pause. Es ist eine Eurobahn, also kann ich einfach reinfahren, es brauch keine Rampe manuell rausgefahren werden. Die kleine Rampe wird automatisch rausgefahren. Ich fahr rein und warte auf die Abfahrt. Ca. 10 Minuten vor der Abfahrt kommt eine Durchsage auf dem Bahnsteig. Die ist drinnen schlecht zu verstehen, ich achte auch nicht drauf. Die Durchsage wird mehrfach wiederholt. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass ich die doch beachten sollte.

„Eine Durchsage. Betriebsbedingt hält der Zug heute nicht in Düsseldorf Flughafen“. Sch… Jetzt muss ich bis Dusiburg mitfahren Fahrzeit 17 Minuten hin, 17 zurück und die Zeit dazwischen. 11 Uhr kann ich mir abschminken, es wird sicher später. Wieder eine Durchsage.

„Wegen einer Bombenräumung in Duisburg hält der Zug heute nicht in Duisburg“. Toll, ich glaub ich spinne. Nächster möglicher Halt wäre Oberhausen. Dort habe ich eine Bekannte, der schulde ich noch ein Essen. Also lass ich den Termin in Düsseldorf sausen und fahr nach Oberhausen. Schnell die Bekannte über das Handy angerufen. Da kommt wieder eine Durchsage.

„Wegen einer Bombenräumung in Duisburg hält der Zug heute nicht in Düsseldorf-Flughafen, Duisburg und Oberhausen. Nächster Halt in Essen-Altenessen.“ Jetzt reicht es, dann bin ich gleich wieder zu Hause. Ich entschließe mich jetzt doch wieder auszusteigen. Kaum bin ich draußen, da fährt der Zug ab. Ich erkläre dem Bahnmitarbeiter, dass ich den Rollstuhl jetzt abschließe und auf dem Bahnsteig stehen lasse. Dann fahr ich ohne Rollstuhl mit dem Aufzug runter. Zum Taxistand. Die Taxifahrerin ist nicht besonders glücklich, ich muss nur ein paar hundert Meter fahren, aber was soll ich machen.

Ich komme etwas zu spät zum Termin, aber es geht noch. Einige Stunden später komme ich zurück, mein Rollstuhl steht noch. Wieder steht die Eurobahn auf dem Gleis. Leider kann ich nicht rein, da der Lokführer vergessen hat die kleinen Rampen ausfahren zu lassen. Muss warten, bis der von seiner Pause zurückkommt. Dann kann ich reinfahren. Allerdings müssen wir noch einen Radfahrer vertreiben, der nicht begreifen wollte, dass er da im Weg steht. Ich fahre bis Oberhausen, dort werde ich von der Vorbesitzerin meines Rollstuhls bereits erwartet. Ich begleiche meine Essensschuld, das Essen war auch sehr gut. Dann zurück zum Bahnhof und mit dem nächsten Zug, leider nur eine S-Bahn, zurück nach Gelsenkirchen.

Wie bereits erwähnt ist dort das Aus-und Einsteigen nur mit fremder Hilfe möglich, weil ein Bahnmitarbeiter eine Rampe anlegen muss. Die S-Bahn hat zwei Abteile für Rollstuhlfahrer. Ganz vorne und ganz hinten. Natürlich fuhr ich mit dem Rollstuhl nach ganz vorne, schließlich will man es dem Lokführer so einfach wie möglich machen. Aber der winkte mir schon ab, als ich nach vorne fuhr. An der Tür hing ein Schild, dass die Tür defekt ist. Jetzt hätte er mich natürlich noch ganz hinten reinlassen können, aber er zog es vor ohne mich abzufahren.

Ich hatte nun 30 Minuten Zeit über das Grundgesetz nachzudenken. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden…

Und über das neue Antidiskriminierungsgesetz. War das jetzt nicht eine Benachteiligung wegen meiner Behinderung? War das jetzt eine Diskriminierung? Während meinen Überlegungen erschien eine Bahnmitarbeiterin und wartete auf den Zug am Nachbargleis. Die sprach ich an. Sie bestätigte, dass mich der Fahrer der S-Bahn natürlich hinten hätte einsteigen lassen müssen und auch den weiten Weg hätte machen müssen, wenn die Tür vom vorderen Abteil defekt ist. Sie empfahl mir, mich zu beschweren, was ich hiermit mache.

(Datum und Uhrzeit wird hier nachgereicht, wenn ich das entsprechende Video veröffentlicht habe. Link folgt.)

Nach der S-Bahn folgt die Eurobahn. Ich wartete gezwungenermaßen 30 Minuten und fuhr dann problemlos und ohne fremde Hilfe nach Gelsenkirchen. Und um jeden weiterem Horror zu entgehen, verzichtete ich wieder auf das Erlebnis BOGESTRA.

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